100% Aufwand und Kosten - 0% Nutzen

Nach dem Landeswassergesetz NRW (§ 61a) ist jeder Hausbesitzer verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die private Abwasseranlage – also alle Abwasserrohre, die zum Haus gehören und nicht Bestandteil der öffentlichen Abwasseranlage sind – dicht und geschlossen ist.

Hintergrund: Es soll vermieden werden, dass Schmutzwasser das Grundwasser verunreinigt.

 

Wie soll geprüft werden?

 

Die optische Kontrolle:

 

Die optische Kontrolle erfordert einen hohen technischen Aufwand: Zuerst wird mit einer Hochdruckspülanlage (100-150 bar!) die Leitung „gründlich gereinigt“!

 

Das hält kaum eine Fugendichtung aus, vor allem nicht die Dichtungen im oberen Drittel der Rohre, die selten mit Wasser benetzt werden und daher ausgetrocknet und porös sind.

 

Dies sieht die Branche übrigens sogar selbst so, siehe hier !

Dann erfolgt eine Befahrung mit einer ferngesteuerten Dreh- und Schwenkkamera einschließlich Ortungssender zur Lagebestimmung. Es wird eine CD oder DVD angefertigt und es werden Lagepläne mit detaillierten Lage- und Höhenangaben erstellt.

 

Aufwändige Protokolle ergänzen die Dokumentation. Die Entscheidung, ob "dicht" oder "nicht dicht" obliegt dem eingesetzten Fachbetrieb.

 

Die DRUCK-Prüfung:

 

Im Zweifelsfall oder bei Einsprüchen erfolgt eine Wasserstands-Füllprüfung (z.B. nach DIN 1986-30). Hierbei wird das Leitungssystem mit Rohrblasen-Dichtungen an den Enden abgesperrt, komplett mit Wasser gefüllt und ein Druck von mindestens einem halben Meter Wassersäule aufgebracht. Dann wird nach einer viertel Stunde der Wasserverlust gemessen. Dieser darf bei üblichen Leitungen nur einen geringen Prozentsatz betragen (bei 10 Metern Leitung DN 120 circa 0,9 Liter).

Sonst heißt es: SANIEREN !!!

Bei diesen Prüfverfahren ist es daher kein Wunder, wenn damit gerechnet wird, dass mindestens 80 % aller Leitungen diesen Kriterien nicht entsprechen werden.

 

KLARTEXT: Die Sanierung

 

Nach der Dichtheitsprüfung (Ergebnis "undicht"beinahe vorprogrammiert) wechselt der Fachbetrieb von der Prüfung zur Durchführung der Sanierung.

 

Hierbei ist festzustellen, dass dann die komplette Erneuerung des unterirdischen Leitungssystems einschließlich der Schächte noch die billigste Lösung ist.

 

Bei Leitungen, die unter dem Gebäude verlaufen, erfordert dies das Aufstemmen der Kellersohle. Um das zu vermeiden, muss man entweder auf einen drucklosen, direkten Anschluss von zu entwässernden Objekten, wie WC und Dusche, verzichten und Pumpen einbauen, oder die vorhandene Leitung mit aufwendigen Inliner-Systemen(Spülen, Trocknen, Einziehen von mit Epoxydharz getränkten Textilschläuchen, mit Druckluft aufblasen, Erwärmen zwecks Erhärtung, Anschlüsse) sanieren lassen.

 

Diese Sanierungsmethode muss auch dort angewendet werden, wo das Aufgraben der Leitung aufgrund örtlicher Verhältnisse nicht möglich, nicht erwünscht, oder noch teurer würde. Beispiele dafür sind: Unterquerung von Stützmauern, Gartenpavillons, Gartengestaltung, Pflanzen- und Baumbestand, größere Tiefe.

 

 

KLARTEXT: Die Kosten

 

Die Prüf- und Sanierungsmaßnahmen erzwingen nicht nur eine Beeinträchtigung des Haus- und Grundstücksbetriebs, sie sind auch mit hohen Kosten verbunden.

 

Nach Angaben von Fachvertretern liegen dieKosten für eine Dichtheitsprüfung bei 1200 bis 2200 Euro. 300 bis 500 Euro sind hier nachweislich völlig untertrieben. Dies kann man auch hier nachlesen. Diese Seite wurde übrigens in Zusammenarbeit mit einem Kanalbau-Ingenieurbüro erstellt. Schauen Sie sich mal das Impressum an !

 

Eine Sanierung kostet dann, je nach Methode, bis zu 300 bis 500 Euro pro Meter Leitung. Einen Kontrollschacht „normgerecht“ zu sanieren, kostet mindestens 1000 Euro.

 

Bei einer Abwasserleitung bis 10 Metern ergeben sich für ein Einfamilienhaus Kosten von rund 4.400 Euro. Bei längeren Rohren kann dem Hauseigentümer schnell aber auch eine Rechnung von bis zu 20.000 Euro drohen.